So fingen wir damals an

(von Gerrit Jan Zager)

Die ersten acht Jahre der Realschule, damals noch Mittelschule, waren die Aufbaujahre. Sie begannen mit der Gründung im Jahre 1961 und endeten mit der Anerkennung der Schule als vollausgestaltete Realschule im Jahre 1969.

In einer kurzen Feier nahm die Mittelschule Emlichheim am 14. April 1961 in dem vorläufigen Klassenraum der Ev. Volksschule ihre Arbeit auf. Herr Mittelschullehrer Gerrit Warsen wurde von Neuenhaus an die Mittelschule Emlichheim versetzt und mit der Leitung der Schule beauftragt. An der Feier nahmen neben den Kindern und Eltern Vertreter der Regierung, des Kreises und der Gemeinden des Einzugsgebietes teil. In den Ansprachen wurde die Bedeutung dieses Tages für den Emlichheimer Raum herausgestellt, die Notwendigkeit der Errichtung einer Mittelschule in Emlichheim unterstrichen und der Dank für die Hilfe aller zuständigen Behörden und Dienststellen ausgesprochen.

Der Unterricht begann mit 46 Kindern in einer Klasse 5. Die Schüler und Schülerinnen kamen aus denGemeindenEmlichheim, Volzel, Vorwald, Agterhorn, Eschebrügge, Laar, Heesterkante, Echteler, Wilsum, Kalle, Groß-Ringe mit Neugnadenfeld und Klein-Ringe. Für 30 Kinder hatte vor der Aufnahme ein Probeunterricht an der Mittelschule Neuenhaus und für die restlichen ein zusätzlicher Probeunterricht in Emlichheim stattgefunden.

Untergebracht wurde die erste Klasse der Mittelschule in dem Klassenraum der Ev. Volksschule, der sich in dem alleinstehenden Gebäude mit den Lehrerdienstwohnungen befand. Geplant war, die Mittelschule in dem achtklassigen Gebäude der Ev. Volksschule unterzubringen und dieses um einen technischen Trakt zu erweitern. Für die Ev. Volksschule sollte ein Neubau entstehen. Der Unterricht konnte dank der Mithilfe der Emlichheimer Volksschulen ohne Einschränkungen anlaufen.

Im Schuljahr 1962/63 begann der Unterricht am 3. April 1962. Im Januar hatte für 66 Kinder der Probeunterricht stattgefunden. Aufgenommen wurden 58 Jungen und Mädchen, die auf zwei 5. Klassen verteilt wurden.

An die Mittelschule abgeordnet waren mit Wirkung vom 1. April 1962 Herr Lindenberg von der Ev. Volksschule Emlichheim und ich von der einklassigen Volksschule in Sieringhoek. Herr Warsen übernahm die Klasse 6. Und Herr Lindenberg und ich je eine 5. Klasse. Da Herr Lindenberg sich einer Mandeloperation hatte unterziehen müssen und sich noch im Krankenhaus befand, mussten zwei Lehrer, Herr Warsen und ich, drei Klassen übernehmen.

Die 6. Klasse konnte wieder im alten Schulgebäude untergebracht werden, für die beiden 5. Klassen aber stand kein Raum zur Verfügung. Mit dem Erweiterungsbau der Volksschule um den technischen Trakt mit vier Räumen für die Mittelschule war zwar im August 1961 begonnen worden, die Fertigstellung jedoch hatte sich verzögert. Die Volksschule konnte nicht helfen. Sie konnte eine Klasse nicht unterbringen, obwohl sie auch die Kellerräume belegt hatte.

Der Gemeinde war die Dringlichkeit der Schulraumbeschaffung bekannt. Sie war von Anfang bemüht, entsprechend zu planen und zu handeln. Im Dezember 1961 beschloss der Rat der Gemeinde den Bau einer 14 klassigen Ev. Volksschule mit Aula und Turnhalle. Nach Durchführung eines Ideenwettbewerbs wurde mit der Planung begonnen. Im ersten Bauabschnitt sollten acht Stammklassen und zwei Fachklassen sowie eine Turnhalle mit Gymnastikhalle und eine Aula gebaut werden.

Bis zur Ausführung dieser Pläne mussten wir mit den Schwierigkeiten der Raumnot fertig werden. Ich zog mit den 58 Anfängern der beiden 5. Klassen in den Unterrichtsraum der altreformierten Gemeinde. Ein planmäßiger Unterricht konnte nun, wenn auch unter erschwerten Bedingungen, anlaufen. Die gute Zusammenarbeit der drei Schulen machte es möglich, mit den Schwierigkeiten bei der Unterrichtsversorgung fertig zu werden. Lehrkräfte der beiden Volksschulen gaben an der Mittelschule 30 Stunden und Mittelschullehrer an der Volksschule 25 Stunden.

Zu unserer großen Freude konnten wir Mitte Mai in die großen und hellen Räume des neuen Traktes einziehen. Wohl wurden die drei Räume damit nicht dem eigentlichen Zweck, der Einrichtung von Fachräumen für Biologie, Zeichnen und Werken, zugeführt, sie bildeten aber bis zur Fertigstellung der neuen Ev. Volksschule eine gute Hilfe bei der Überwindung der Raumnot.

Die Planungsarbeiten für den Bau der neuen Ev. Volksschule wurden inzwischen vorangetrieben. Nach eingehenden Besprechungen und Beratungen beschloss der Gemeinderat nunmehr, im Schulzentrum eine 10klassige Volksschule mit zwei technischen Räumen, eine Turnhalle mit Gymnastikraum und ein Lehrschwimmbecken zu bauen. Im November 1962 liefen die Bauarbeiten an. Mit der Fertigstellung im Jahre 1963 war nicht zu rechnen, so dass für das neue Schuljahr große Raumnot vorauszusehen war.

Das Schuljahr 1963/64 begann mit der Neuaufnahme von 54 Kindern. In den nun fünf Klassen der Schule wurden insgesamt 158 Schüler und Schülerinnen unterrichtet. Von der Ev. Volksschule wurde Frau Lucie Knoche an die Mittelschule abgeordnet, und vom Pädagogischen Institut für Mittelschullehrer in Göttingen wurde Herr Dieter Erting nach Abschluss seines Studiums an die Mittelschule versetzt. Damit konnte der Unterrichtsbedarf in den musischen Fächern von Frau Knoche und im Fach Französisch in Klasse 7 von Herrn Erting abgedeckt werden.

Unter der Raumnot hatte besonders die Ev. Volksschule zu leiden. Sie überließ der Mittelschule zwei Räume im Altbau und musste für einige Klassen Schichtunterricht einführen. Im Februar 1964 waren die Arbeiten am Neubau so weit fortgeschritten, dass die ersten Klassen einziehen konnten. Die Ev. Volksschule räumte nach und nach den Altbau und überließ ihn damit der Mittelschule. Auch die Arbeiten an den Sportstätten waren bald beendet, so dass auch der Mittelschule für den Sportunterricht Turnhalle, Gymnastikraum und Lehrschwimmbecken zur Verfügung standen.

Am 28. Mai 1963 wurde Herr Warsen mit Wirkung vom 01.04.1963 zum Mittelschulrektor ernannt. Schulrat Thielke überreichte die Ernennungsurkunde. In der Feierstunde, an der die Vertreter des Schulzweckverbandes, die Lehrkräfte der Emlichheimer Schulen und die Klasse 7 der Mittelschule teilnahmen, bezeichnete Schulrat Thielke die Ernennung von Herrn Warsen zum Rektor als wichtigen Schritt beim Aufbau der Mittelschule Emlichheim. Er wies anerkennend auf die bisher geleistete Arbeit von Herrn Warsen hin und lobte die wunderbare Zusammenarbeit zwischen den Emlichheimer Schulen und den guten Geist zwischen Schule und Gemeinde. Bürgermeister Dr. Schüürmann sprach von dem Vertrauen, das man Herrn Warsen von Anfang an entgegengebracht habe und das nicht enttäuscht worden sei; der Aufbau der Mittelschule vollziehe sich in schönster Harmonie.

Im Schuljahr 1964/65 stieg die Schülerzahl nach der Aufnahme von 56 Kindern auf 210. Sie wurden in 7 Klassen von 8 hauptamtlichen und 3 nebenberuflichen Lehrkräften unterrichtet. An die Mittelschule wurde zum Schuljahresbeginn Frau Paschinky versetzt, von der Kath. Volksschule wurde Herr Kösters und von der Ev. Volksschule wurde Herr Klinge abgeordnet. Außerdem unterrichteten stundenweise Frau Erting, Frau Spiekmann und Pater Frerker. Die sieben Klassen konnten im technischen Trakt und im 1. Stock der alten Schule untergebracht werden. Der Mittelschule standen somit genügend Klassenräume zur Verfügung. Die Ev. Volksschule belegte die vier Räume im Erdgeschoss. Sie war Mittelpunktschule geworden und musste die Kinder des 7., 8. und 9. Schuljahrs aus den Landgemeinden aufnehmen, und dafür reichten die zwölf Räume der neuen Schule nicht aus. Aber auch für die Mittelschule zeichnete sich für die nächsten Jahre wieder Schulraumnot ab. Die Schule war einzügig angelegt worden, nun aber erwies sich ihre Zweizügigkeit in allen Jahrgängen. Der Anbau eines weiteren Traktes mit acht Klassenräumen wurde erforderlich.

Nach einem Erlass des Niedersächsischen Kultusministers führten vom Schuljahr 1965/66 alle Mittelschulen die Bezeichnung Realschulen. Für die Realschule Emlichheim begann das neue Schuljahr mit 263 Kindern in zehn Klassen. Zwei 5. Klassen kamen neu dazu und die 9. Klasse mit 46 Schülern und Schülerinnen wurde geteilt. Die Klasse 9a bildete den sprachlichen Zweig und erhielt mehr Unterricht in den Sprachen und musischen Fächern. Die Klasse 9b, der mathematisch-naturwissen-schaftliche Zweig, erhielt mehr Unterricht in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Biologie.

Die Unterbringung der zehn Klassen bereitete keine Schwierigkeit, weil die Volksschule zwei Klassenräume im Anbau frei machte. Vom Institut in Göttingen kamen drei Realschullehrerinnen nach Emlichheim: Irene Ekowski, Ulrike Schulz und Barbara Schwarz. Obwohl vier Stellen nicht besetzt waren, erhielten die Klassen vollen Unterricht. Das war möglich durch Zusammenlegung von Parallelklassen in einzelnen Fächern, den Einsatz nebenberuflicher Lehrkräfte und die Hilfe der Ev. Volksschule, die mit insgesamt zehn Unterrichtsstunden aushalf.

Am 18. April 1966 begann das Kurzschuljahr 1966. Wieder kamen zwei 5. Klassen dazu. Als neue Lehrkräfte wurden Frau Erna Jahns und Herr Horst Jahns der Realschule zugewiesen. Die Schule hatte nun 12 Klassen, 12 hauptamtliche und fünf nebenberufliche Lehrkräfte. Das Unterrichtsbedürfnis konnte nicht voll befriedigt werden, außerdem fehlten zwei Klassenräume. Eine Klasse zog in den Keller und die andere in einen Unterrichtsraum der reformierten Kirchengemeinde an der Wilsumer Straße. Mit dem Erweiterungsbau der Realschule wurde im September begonnen.

Für den Sportunterricht wurden in diesem Jahre in der Nähe der Schulen Übungsstätten für Leichtathletik angelegt. Bei den Emslandwettkämpfen der Realschulen war daraufhin ein deutlicher Leistungsanstieg zu erkennen.

Gegen Ende des Kurzschuljahres 1966 wurde an der Realschule die erste Abschlussprüfung durchgeführt. Im Oktober schrieben die Schüler der Abschlussklassen 10a und 10b ihre Prüfungsarbeiten in Deutsch, Englisch und Mathematik. Am 23. und 24. November 1966 fand unter Anwesenheit von Herrn Regierungsdirektor Dr. Koch und Herrn Schulrat Linge die mündliche Prüfung statt. Alle 46 Schüler und Schülerinnen bestanden die Abschlussprüfung. Sie wurden am 25. November 1966 in einer Feierstunde in der Aula des Schulzentrums entlassen. Bei dieser ersten Entlassungsfeier der Realschule wies Herr Warsen auf die gute Entwicklung der Realschule hin. Und Herr Oberkreisdirektor Dr. Mawick sagte: „Unsere Hoffnungen sind erfüllt. Die Emlichheimer Realschule steht und ist bereits zu einem Begriff geworden.“

Das zweite Kurzschuljahr begann am 1. Dezember 1966 mit der Aufnahme von 82 Kindern. Die Zahl der Klassen blieb wie im ersten Kurzschuljahr 12, die Schülerzahl stieg auf 367. Frau Vendt übernahm vier Stunden Machinenschreiben und Pastor Volkers 2 Stunden ev. Religion. Am 10. April 1967 wurde der Erweiterungsbau gerichtet. Am 24. April 1967 wurde ich in einer kurzen Feierstunde zum Realschulkonrektor ernannt. Im Mai und Juni fand die Abschlussprüfung der Klassen 10a und 10b statt, 45 Schülerinnen und Schüler erwarben das Abschlusszeugnis und wurden am 20. Juni 1967 aus der Schule entlassen.

Das Schuljahr 1967/68 war nach den beiden Kurzschuljahren wieder ein normales Schuljahr. Der Unterricht begann am 15. August 1967. Die Schülerzahl betrug 357. Dreizehn hauptamtliche und acht nebenamtliche oder nebenberufliche Lehrkräfte unterrichteten in 12 Klassen. Frau Kröger und Herr Grosse kamen neu an die Realschule.

Von großer Bedeutung für die Entwicklung der Realschule war die Fertigstellung des Erweiterungsbaus. Er konnte am 1. Dezember 1967 in einer Feierstunde offiziell übergeben werden. Der neue Trakt enthielt acht Klassenräume, die schon im August bezogen werden konnten. Im Altbau und im technischen Trakt blieben vier Klassen. Der Ev. Volksschule wurden drei Räume im Altbau überlassen. Die übrigen Klassenräume wurden als Fachräume für Zeichnen, Nadelarbeit und Maschinenschreiben genutzt. Im Keller wurden die Werkräume vergrößert und drei Aufenthaltsräume für Fahrschüler eingerichtet. Im technischen Trakt entstanden durch Umbau ein geräumiges Lehrerzimmer und Verwaltungsräume.

Im Juni 1968 fand die Abschlussprüfung statt. Die Leistungen des Kollegiums und die Leistungen der Schüler wurden vom Vorsitzenden der Prüfungskommission, Herrn Schulrat Fabian, anerkannt. Er erklärte nach der Prüfung: „Einer Anerkennung als vollausgestalteter Realschule steht nichts mehr im Wege.“

Im November 1968 wurde der Antrag auf Anerkennung gestellt. Die Voraussetzungen dafür waren erfüllt: Die Schule war voll ausgebaut, die Schulanlagen und –einrichtungen genügten den Anforderungen, Schulleiter und Lehrkräfte entsprachen hinsichtlich ihrer Vorbildung den erforderlichen Bedingungen, das Unterrichtsbedürfnis wurde befriedigt, der Unterricht wurde nach den geltenden Bestimmungen erteilt und die Abschlussprüfungen hatten dreimal mit Erfolg stattgefunden.

Im März 1969 fand durch Herrn Regierungsdirektor Dr. Koch und Herrn Schulrat Linge in allen Fächern eine Unterrichtsbesichtigung statt.

Am 5. Mai 1969 wurde durch einen Erlass des Niedersächsischen Kulturministers der Realschule Emlichheim die Anerkennung als vollausgestaltete Realschule ausgesprochen.

 

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